|  |
Antifaschistischer Reisebericht: �Moskau � St. Piter" Azzoncao, ein Polit-Caf� - 13.10.2009 18:30
Im September flogen einige Mitglieder von Azzoncao nach Russland, um in Moskau und in St. Petersburg Interviews mit Verwandten und Freunden ermordeter Antifaschisten zu machen. In Moskau wollten wir Katya, die Freundin des am 10. Oktober 2008 ermordeten Feodor Filatov interviewen. In St. Petersburg die Mutter des am 13. November 2005 ermordeten Timur Kacharava. Diese Interviews f�hrten wir durch und ver�ffentlichten sie in den letzten Tagen. Da wie einige Male nach unseren Eindr�cken gefragt wurden, wollen wir sie hier in Form eines Tagebuchs wiedergeben.  Die Basiliuskirche am Roten Platz 1.Tag: Nach ca drei Stunden Flug geht unser Flieger in den Landeanflug �ber Moskau. Zuerst kommen nur wenige Hochh�user in den Blick. Dann sehen wir ein enormes Muster riesiger Hochh�user. Entworfen an sowjetischen Planungstischen und in die Moskauer Peripherie gestampft. Ostdeutsche Plattenbauten, Pariser Banlieues sind da ein Dreck gegen. In und um Moskau leben ca 25 Millionen Menschen. 11 Millionen Menschen in Moskau selbst, 14 Millionen Menschen in der Agglomeration der Metropole. Dies macht Moskau zur gr��ten Stadt Europas. Und zu der Hauptstadt in der fast 25% der Landesbev�lkerung leben. Unsere antifaschistischen GenossInnen holen uns am Flughafen ab und die Fahrt geht �ber Land in eine der Suburbs, die wir vom Flugzeug aus bewundern konnten. Uns erwartet ein sowjetischer Plattenbau der 70ziger Jahre mit nicht funktionierenden Aufzug, so dass wir immer den Nebenaufgang nehmen m�ssen. Nachdem wir unser Gep�ck abgelegt haben, geht es auch schon in die Stadt. Eine halbe Stunde �berlandbus, dann fast eine halbe Stunde Moskauer Metro. Auf einem kleinen Platz ist ein Treffpunkt eingerichtet, wo sich an diesem Abend GenossInnen aus der anarchistischen Szene Moskaus treffen. Von dort geht es auf einen abgelegenen Spielplatz, wo sich auf einigen B�nken eine Versammlung abspielt. Neuigkeiten werden kundgetan, Probleme besprochen, und Vorhaben er�rtert. Die ganze Zeit achtet man darauf, dass sich keine verd�chtigen Gestalten dem Spielplatz n�hern. Politische Versammlungen sind in Russland alle des Extremismus verd�chtigt, werden observiert, aufgel�st, die TeilnehmerInnen verhaftet. So k�nnen politische Treffen oft nur klandestin stattfinden. Und da die AnarchistInnen Moskaus �ber keine R�umlichkeiten verf�gen, m�ssen sie ihre Versammlungen im Freien abhalten. Als die Versammlung zu Ende ist, l�st sie sich auf. Wir laufen mit unseren neuen Bekannten einer Gruppe Antifas �ber den Weg und zur Begr��ung der GenossInnen aus Deutschland werden erst einmal einige Flaschen Wodka gekauft. Als Ort des Umtrunks wird ein Spielplatz auf einem Hinterhof gew�hlt. Auch das �ffentliche gemeinsame Trinken ist nicht gern gesehen und so ziehen sich die Gruppen von Jugendlichen, die sich die teuren Kneipen Moskaus nicht leisten k�nnen, oft in Hinterh�fe, G�rten und auf Spielpl�tze zur�ck. Es wird sp�t, bzw. fr�h, und in einer gro�en Gruppe fallen wir in eine Wohnung ein, deren BewohnerInnen es scheint`s gewohnt sind, viele G�ste f�r �bernachtungen zu beherbergen. Der Berg an Matratzen weist darauf hin. So nach und nach streichen wir unsere Segel und legen uns ab. Die RussInnen sind eindeutig eine andere Wodka-Liga als wir. 2.Tag: Sp�tes Aufstehen. Bevor es zum gro�en AnarchistInnen-Plenum geht, absolvieren wir den Roten Platz. Merchandising aller Orten. Zar- und Lenin-Doubles sind zum Abfotografieren bereit. Eine Gruppe Kommunisten im betagten Alten von 70zig plus X l�sst in einer Minidemo Sozialismus und Vaterland gleichzeitig hochleben. Der Rote Platz vor dem Lenin Mausoleum und der Basilius Kathedrale ist mit den Aufbauger�sten eines Rockkonzerts verschandelt und eine alte Frau kniet bettelnd mit Heiligenbild auf dem Pflaster. Ein kurzer Aufenthalt und wir steigen in die phantastische Moskauer Metro hinab. Jetzt geht es in die Suburbs, man kauft noch schnell in einer kleinen russischen Markthalle ein. Dort m�ssen wir erst mal rausgeholt werden, weil wir nat�rlich vom frischgezapften Bier, �ber den warmgemachten K�se, den W�rsten, den Obst, den.... Alles mal ausprobieren m�ssen. Aber die GenossInnen sind auf den Weg zu einem Treffen im nahen Wald und da m�ssen wir jetzt mit. Fast 50 GenossInnen aller m�glicher Antifa-, Autonomen-, �ko- und Anarchosyndikalistischen Gruppen treffen sich auf einer Lichtung. Decken werden ausgebreitet, ein Tisch aufgestellt, jede/r hat etwas zu Essen und Trinken mitgebracht. Man macht es sich bequem, legt eine Tagesordnung zurecht und beginnt. Mit viel Lachen wird stundenlang diskutiert. Ab und zu kommt einer zu uns und �bersetzt das Gesagte. Wir fragen, ob es denn gar keine R�ume in diesem riesigen Moskau g�be. Keinen Verein, keine Kneipe, Club, Konzertraum? Nein, gibt es nicht. Die AnarchistInnen Moskaus haben keinerlei R�umlichkeiten um sich zu treffen. Und bei schlechten Wetter? Achselzucken ist die Antwort. Dann wird halt improvisiert. Kann man denn nichts anmieten? Von welchem Geld denn bitte? Das was sie haben geht zum ABC-Moskau, zum Anarchist Black Cross, der Gefangenen-Solidarit�tsgruppe. Und hier wird es f�r Anw�lte, Prozesse, Versorgungen f�r die vielen F�lle der staatlichen Repression verwandt. Die Raumfrage sei eine dringliche strategische Frage, so unsere FreundInnen. Ein Soziales Zentrum m�sse her. Aber wie? Wieviel Personen w�rde die Moskauer Szene umfassen? Nun, wenn sie 300 bis 400 auf einer Demo w�ren, dann w�re das schon sehr gut. Es g�be etwas �ber 300 AnarchistInnen in Moskau, einige Stalinisten, einige Trotzkisten. Das w�re es. Mehr h�tte die Opposition nicht zu bieten. Wir staunen. Und die Kommunisten, fragen wir? Die? Die h�tten die ganze Zeit Nichts anderes zu tun, als ihre Zwangsherrschaft unter dem sowjetischen Regime zu rechtfertigen. Oppositionelle Politik w�rden diese nicht machen. Ob sie alle so jung w�ren? Ja, die Meisten seien zwischen 18 und 25 Jahre. Und dann g�be es noch ein paar Wenige, die so um die 40 Jahre alt w�ren. Die Szene sei sehr jung. Und so geht das Treffen weiter. Irgendwann ist es zu Ende. Einige ziehen los, Feuerholz zu holen, andere holen in den Suburbs Wodka. Zweite Runde Wodka-Trinken. Aber cool unter den ganzen Anarchos im Wald. Einige k�nnen Englisch. Eine Person sogar Deutsch. Und da m�ssen wir Vieles �ber Deutschland erz�hlen. Was ist der Schwarze Block, wie funktioniert das mit besetzten H�usern, der Repression, etc p.p.. Umgekehrt lassen wir uns die Verh�ltnisse in Moskau und Russland erz�hlen. Dabei erfahren wir auch, dass dies einer der selteneren gro�en Treffen ist. Und diese seien sehr n�tig. Man bricht auf, verliert sich, stolpert angetrunken durchs Geh�lz und findet doch irgendwie in die Suburbs zur�ck. Dabei sind uns die vielen Jugendgruppen behilflich, die ebenfalls im Wald ihre Feuer entfacht haben und dort ihre Parties feiern. Wir werden irgendwie durchgewunken. Keine und keiner geht verloren. 40 Minuten Metro und ein halbe Stunde Busfahrt sp�ter hat uns der realexistierende Plattenbau wieder. Wir nehmen uns fest vor, ab jetzt jede Metrostation zu fotografieren. Unterirdisch, dieses ist das Wort, was uns als erstes zu der Moskauer Metro einf�llt. L�ngere Rolltreppen haben wir noch nie gesehen. Allein St. Petersburg soll L�ngere besitzen. Die L�ngste w�rde einen 4 Minuten bef�rdern. Fast alle Metrostationen sind architektonisch im Kitsch des Sowjet-Staatskapitalismus geschm�ckt und des Fotografierens wert. Aber leider werden wir das so in den n�chsten Tagen zeitlich nicht hinbekommen. Wir werden immer unterwegs sein. 3. Tag: Heute treffen wir uns mit Katya. Sie war Feodor Vilatovs Freundin. Wegen des Interviews mit Ihr sind wir nach Moskau gereist. Am Nachmittag warten wir an einer Metrostation auf sie. Ein russischer �bersetzer, den unsere Freunde vermittelt haben, kommt dazu. Dann taucht sie auf. Etwas sch�chtern begr��t uns das 21 j�hrige Skingirl. Zusammen gehen wir in einen Park, um dort das Interview zu machen. Dieser Park ist einiger der wenigen �ffentlichen R�ume den Nazis in Moskau meiden. Denn hier w�rden sie unmittelbar von RASH und Antifas angegriffen, w�rden sie sich blicken lassen. So lassen wir uns auf einer Parkbank nieder und versuchen das Eis zu brechen, in dem wir erst einmal erz�hlen, wer wir sind und was wir so machen. Katya h�rt zu und beginnt dann z�gernd auf unsere Fragen zu antworten. Manchmal kommt sie ins Stocken und schaut weg. Uns ist ungem�tlich in unserer Haut. Wir wollen sie zu nichts dr�ngen und sind doch von so weit gekommen, um m�glichst Viel, m�glichst Genau zu erfahren. Ihre schlechte Meinung �ber westliche RASH-Skins und Antifas am�siert uns. Westliche Antifas und HausbesetzerInnen kommen in Russland generell schlecht weg. Oft bekommen wir zu h�ren, dass in Deutschland Antifaschismus eine Mode sei. Es w�rde Nichts bedeuten, wenn man als Punk, Skin oder mit Antifa-Buttons rumlaufen w�rde. Sicher w�re das super und man m�sse auch nicht immer auf einen Kampf gefasst sein. Aber Ernst nehmen kann man die Antifas aus Deutschland nicht wirklich. Wir kommen nicht umhin, den russischen GenossInnen in der Betrachtung der deutschen Szene Recht zu geben. Nach dem Interview setzen wir uns ohne �bersetzer noch in einem Caf� zusammen. Wir unterhalten uns in Englisch. Wie so oft h�ren wir hier, au�erhalb eines Interviews, viele wichtige Informationen. Haben die Menschen ein Mikrophon vor dem Gesicht f�hlen sie sich kontrolliert und werden k�nstlich und steif. F�hlen sie sich unbeobachtet, werden sie nat�rlicher und authentischer. F�r eine Stunde machen wir noch einen Abstecher in den Park, wo wir einige andere RASH und SHARP-Skins und -Renees treffen. Es ist ihnen wichtig, uns mitzuteilen, dass sie normalerweise hier mehr w�ren. Es sei halt Sonntag und morgen m�sse man zur Arbeit gehen. Am Abend wird der Nageltest an uns vollzogen. Wieviel vertragen eigentlich diese Deutschen? Nun ja, auf jeden Fall nicht so viel wie unser Gastgeber. Ein Gl�ck ist das Gebr�u von guter Qualit�t, so dass wir am n�chsten Tag keinen Sch�del haben. 4. Tag: Um die Mittagszeit treffen wir uns mit vielen der anarchistischen GenossInnen in der N�he der Botschaften und ziehen zur Botschaft der Ukraine. Dort stellen sich die russischen GenossInnen zu ca. 30 gegen�ber der Botschaft mit Transparenten auf und protestieren gegen die Repression von GenossInnen in der Ukraine. Die anwesende Staatsmacht ist relaxed. Geht es doch darum die Ukraine zu kritisieren, mit der Russland zur Zeit im politischen Streit liegt. Das die Herrschaften auch anders k�nnen bekommen wir umgehend verdeutlicht. Irgendwie haben die Politbullen von der Absicht der AnarchistInnen erfahren zur Spanischen Botschaft zu ziehen und anl�sslich der Prozesser�ffnung gegen den M�rder von Carlos Palomino, Josu� Est�banez de la Hija, zu demonstrieren. W�rden wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen, w�rden wir alle verhaftet werden. So ziehen wir ab, verschwinden in dem Metrolabyrinth � auf den Weg zum spanischen Konsulat. Das hat aber zu. So also wieder per pedes und in der Metro in Richtung Spanische Botschaft. Wir haben Gl�ck. Die Polizei ist nicht vor Ort und wir k�nnen in der Botschaft und davor einige Flugbl�tter verteilen. Vor einem spanischen Flaggenmast stellen wir noch ein Foto von Carlos mit Kerzen auf. Dann halten wir eine kurze Schweigeminute ab. Und sind weg. Zu deutlich war der telefonierende Botschaftsangestellte im Eingangsportal zu sehen. Nun haben wir noch einige Stunden Wartezeit zu �berbr�cken, bis es mit dem Nachtexpress nach St. Petersburg gehen soll. Quer �ber den Roten Platz, am ewigen Feuer zum Gedenken der gefallenen der Sowjetunion gegen die Invasion der deutschen Wehrmacht, durch den Alexander Garten, ab in die Metro, geht es zu einem der zahlreichen Bahnh�fe Moskaus. Karten werden gekauft. Den Rest der Zeit verbringen wir in einer riesigen Kneipe, die wie ein Wartesaal aufgemacht ist. Super Buffet mit allem was ein Wessi an russischen Gerichten ausprobieren m�chte. Die russische K�che ist klasse. Satt und mal wieder etwas angetrunken geht es zum Zug. Uniformierte ZugbegleiterInnen empfangen uns, weisen uns ein, verteilen Matratzen und Bettzeug. Wir fluchen auf die bescheuert-warme Klimaanlage und bauen uns, wie all die Dutzenden RussInnen, unsere Schlafkoje. Warum wir nicht tags�ber fahren w�rden? Da gebe es doch sicherlich was zu sehen? Unsere Genossen winken ab. Zu sehen? Na klar Wald, Wald, Wald und mal ein Dorf. Dann wieder Wald, Wald, Wald. H�tten sie was vergessen. Ach ja, lachen sie, da w�re ja noch der Wald, den man sehen k�nne. Und so sinken wir in den Schlaf, w�hrend der, naja was wohl, der Wald an unseren Zugfenstern vorbeizieht. 5. Tag: Wir werden von einer allgemeinen Unruhe wach. Einige RussInnen sind schon dabei sich anzuziehen. Laken werden aufgespannt und frau zieht sich dahinter um. Die Schlafgarderobe wird gegen Tagesbekleidung gewechselt. Und sich schick gemacht. In mitgebrachten Tassen holt man sich aus dem abteileigenem Samovar hei�es Wasser f�r den Tee. Fr�hst�cke werden zelebriert. Man merkt, das Zugfahren im riesigen Russland ist eine wohl organisierte Angelegenheit. In St. Petersburg kommen wir bei antifaschistischen GenossInnen unter. Auch hier eine Selbstverst�ndlichkeit und Herzlichkeit, die wir in westlichen L�ndern so selten erleben. Die Moskauer GenossInnen geben ihr Ok und wir sind einer von ihnen. Unterkunft und Essen wird wie selbstverst�ndlich geteilt. Man ist h�flich und respektvoll. Man zeigt sich ehrlich interessiert, ist weder aufgesetzt noch kumpelhaft. Sehr angenehm. Noch mal einen herzlichen Dank an die Petersburger GenossInnen. Wir hoffen uns revanchieren zu k�nnen. Erst Recht f�r die sch�ne Stadtf�hrung, die sie uns zukommen lie�en. Am Nachmittag kapern wir erst einen Bus, dann eine Art Minibus, der uns in die Peripherie St. Petersburg bringt. Hier wollen wir Irina, die Mutter Timurs treffen. Irina ist Lehrerin in einer Privatschule. Vor dem Schulportal empf�ngt sie uns. Auf Deutsch. Sie stellt sich als Deutschlehrerin vor. Ein Umstand von dem auch unsere GenossInnen nicht wussten. Sie merkt aber sofort an, dass sie das Interview in Russisch halten wolle. �ber ihren Sohn k�nne sie nur in Russisch reden. In einem kleinen Unterrichtsraum schickt sie die letzte Sch�lerin weg und beginnt zu reden. Und ... das Interview wird in Deutsch gef�hrt. Wie schon in Moskau, Mailand, Rom und Madrid, die Interviews mit Hinterbliebenen bieten eine Dichte an Erfahrungen und Emotionen, die uns immer wieder im Inneren treffen und ber�hren. Immer wieder neu, immer wieder anders und verschieden, machen sie ein Kaleidoskop der Erinnerungen und Gedanken, der Verletzungen und Schmerzen, der Verarbeitung und Reflexion auf. Nach dieser beeindruckenden Begegnung fragt uns Irina, ob wir noch das Grab von Timur sehen wollen. Nat�rlich wollen wir. So werden wir vor der Schule von Wladimir, dem Vater Timurs, empfangen. Wir fahren zusammen zu einem alten russischen Waldfriedhof. Dort liegt Timur auf einer gut gepflegten Parzelle begraben. Eine Parzelle, die Irina und Wladimir auch f�r sich vorgesehen haben. Dasselbe eingez�unte Fleckchen Erde, in dem schon ihr Sohn ruht. W�hrend Irina uns viel erz�hlt und erl�utert, zieht sich der Vater zur�ck und eine Sonnenbrille �ber die feuchten Augen. Auf den Weg zur Metro erl�utert uns Wladimir noch die Umgebung. Es ist ersichtlich, wie aufgesetzt seine Erz�hlungen sind. Das er eigentlich mit seinen Gedanken woanders ist. An der Metro umarmen wir diesen warmen und weichen Mann. Er ist �berrascht. (Vielleicht auch, weil er fr�her Offizier der russischen Armee war und Deutsche f�r ihn potenzielle Feinde darstellten.) In der Stadt treffen wir uns mit einigen Crust-Punks, um in der billigsten Kneipe St. Piters einen zu heben. Die Kneipe entpuppt sich als ein Kellergeschoss in das man von der Stra�e �ber eine Treppe gelangt. Mit Sicherheit die billigste Kneipe und die nettesten Punks von St. Piter, aber wir sind durch das Interview und den Friedhofsbesuch angez�hlt. Nach Party steht uns nicht der Sinn. Unseren Bekannten k�nnen wir keinen Vorwurf machen. Sie haben durch faschistische Morde schon so viele Freunde und Freundinnen verloren, das sie nach einem solchen Tag anders als wir reagieren. F�r uns ist also Ende der Fahnenstange. So stopft man uns in ein illegales Taxi, steckt dem Fahrer einen Zettel und Geld zu und ab daf�r. Der armenische Fahrer aus Erivan spricht kein Wort Englisch, kennt die Stra�e nicht und f�hrt einen Lada, dessen Tage gez�hlt sind. Entweder ist an dem Mann ein Rennfahrer verloren gegangen oder er liebt den Mut zum Risiko. Wie auch immer, wir landen doch irgendwie in der richtigen Stra�e. Und unsere GastgeberInnen sind wie immer sehr um uns bem�ht. 5. Tag: Heute geht es in die Kneipe der �Puschkinskaja 10�, einer ehemaligen besetzten Fabrik. Diese wurde in den 90ziger Jahren besetzt und dient heute den �Hippies�, wie unsere GenossInnen sagen. Was denn �Hippies� seien? Na Leute, die sich f�r links halten w�rden, aber nur ihre Kultur pflegen w�rden. Parties, Musik, Kultur. Politisch engagieren w�rden sie sich nicht mehr. Zuvor haben wir uns noch mit Antifas aus St. Petersburg getroffen. Vegane anarchistische Kampfsportler, die mit uns �ber ihre organisierten Freefights reden. Bevor wir in unseren Zug nach Moskau steigen, kaufen wir uns noch typische russische Matrosenpullis. Kein Sein ohne Design! 6.Tag: Wald, Wald, Wald, Dorf, Wald, Wald, Dorf, Wald,......Moskau. Um 7.00 Uhr stolpern wir aus dem �berhitzen Abteil. Rein in die U-Bahn. Vorbei an einer Gruppe von ca. 20 Obdachlosen, die ohne Pappe unter ihren K�rpern oder Zeitungen �ber sich, in schmutzigen, �rmlichen Kleidungsst�cken nach W�rme suchend, ineinander gekeilt auf den Steinen liegen. Eine verschmutzte Gestalt bewegt sich auf allen Vieren im Delierium daher. Das haben wir weder in New York, Paris noch Berlin je gesehen. Krass. Erst wollen wir Fotos machen, doch dann sch�men wir uns �ber diese Art des Elends-Fotojournalismus. Unser Mitgef�hl ist st�rker als all der rationalisierende Drang nach Dokumentation und Aufkl�rung. Also weg mit den Kameras. Mit der obligatorischen halbe Stunde Metro geht es mal wieder in die Suburbs. Wir sind zum Fr�hst�ck eingeladen. Wie sich herausstellt ist unser Gastgeber ein Hooligan. Na, meint er, das sei er mal gewesen. Er sei ruhiger geworden. Schlie�lich h�tte er ja schon im Gef�ngnis gesessen. Wegen K�rperverletzung an einem Polizisten. Unsere deutschen Hools w�rden es ja nicht bringen. Vor ein paar Jahren h�tten sie sich mal mit 40 Hools aus Hamburg getroffen. Die h�tten sie in 10 Minuten aufgemischt. Echt ne Entt�uschung. Er sei kein Anarchist, er w�rde nur die Punk- und Skin-Konzerte klasse finden. Und wenn es gegen die Nazis ginge, w�re er auch manchmal mit dabei. Anschlie�end geht es zu einem russischen Postamt. Wir m�ssen uns noch registrieren lassen. Genau wie ein Visum ist eine Registrierung unabl�ssig. Und hier bekommen wir einen Hauch von Ahnung was russische B�rokratie hei�t. Geschlagene eineinhalb Stunden m�ssen wir Papiere ausf�llen und uns mit unwilligen BeamtInnen rumschlagen. Schlie�lich m�ssen wir mit Beschwerden, etc. drohen, bis der Mist �ber der B�hne ist. Wir haben in der ganzen Woche niemanden getroffen, der auch nur ein gutes Haar an den Meldebestimmungen in Russland l�sst. Angeblich zur heutigen Terrorbek�mpfung n�tig, ist es nichts weiteres als ein Relikt aus dem sowjetischen �berwachungsstaat, bzw. Ausdruck des heutigen Polizeistaats. Vom russischen �berwachungsstaat singen uns die MacherInnen von Indymedia aus Moskau noch ein Lied. Am Nachmittag treffen wir sie in ihrem B�ro und informieren uns �ber ihre Aktivit�ten. Von dort aus geht es zum Innenministerium zu einer Protestaktion gegen die neue Extremismuskommision. Ein �berwachungsorgan, das nach einem Gummiparagraphen Alles und Jeden zum bek�mpfenswerten Extremisten ernennen kann. Um diese Institution vorzuf�hren, werden in einer Maskerade russische Klassiker aus dem Schulunterricht von einem Philosophen vorgelesen und von einem schwarz vermummten Oberinquisitor des Extremismus beschuldigt. Das eingezogene Exemplar des russischen Literaten wird daraufhin von Klu Klux Klan - M�nnern in einem (Papp-)Ofen verbrannt. Beim ersten Klassiker lachen selbst die anwesenden Polizeibeamten. Aber man kann ja bei den eigenen Kollegen auffallen und so wird ab dann alles mit bitterer Miene �berwacht. AktivistInnen und PassantInnen, wenn sie denn trauen stehen zu bleiben, haben ihren Spa�. Im engen Gew�hl der Metro gehen uns durch einen Taschendieb einige hundert Rubel und die Metro-Karten fl�ten. Die russischen GenossInnen sind sauer auf den Dieb. Wir hingegen erkl�ren den Dieb zu dem einzig wahren Sozialrevolution�r Moskaus, schlie�lich sei Eigentum Diebstahl. Da haben wir schon wieder eine Debatte. Aber wenigstens eine die sich lohnt. Denn Eines sind unsere anarchistischen Freunde aus Moskau: Belesener als Alles was wir im Westen an AnarchistInnen angetroffen haben. Den Abend verbringen wir mit Ihnen bei der russischen Fassung der �Inglorious Basterds� von Quentin Tarantino. Eine 1 A � Raubkopie und auf russischen Stra�en als Original verkauft. 6.Tag: Wir kriegen Babysitter. Unsere GenossInnen haben zu tun und geben uns an junge Antifas weiter. Die schleppen uns erst mal in den n�chsten Waffenladen. Munition kaufen. Sie haben so genannte Traumatik-Guns in ihren G�rteln stecken. Echte Pistolen, die man mit sich f�hren kann. Aber die mit Gummigeschossen versehen sind. Sie erz�hlen, dass sich die Szene aufr�stet. Wir landen in einem Restaurant und werden ausgequetscht �ber die deutsche Antifa-Szene. Wer, was, wo, warum, wie wir dieses einsch�tzen, wie wir das einsch�tzen, usw.. Wir haben eine Verabredung in der N�he des Roten Platzes. Als wir �ber diesen gehen, reitet uns der Teufel und wir wollen mit der anarchistischen Antifa-Fahne vor der Basilius-Kirche poosen. So schnell konntest du nicht gucken, da haben wir Uniformierte und Sonnenbrillentr�ger der Security am Arsch. Sie fordern uns wahlweise auf, die Bilder zu l�schen oder verhaftet zu werden. Wir ziehen das Erstere vor. Vom Treffpunkt geht es in einen Club, den die GenossInnen haben besorgen k�nnen. Hier zeigen wir unseren Film �ber das Bochumer Graffiti und die sieben ermordeten europ�ischen Antifas. Es sind fast 25 RASH-Skins und Renees anwesend. Und ca. 15 andere Antifas. Nach der Diskussion ziehen wir noch mit den RASHs zu einem Konzert. Aus dem Konzert wird nicht viel, denn die Jungs sind alle von der BBC, der Bonebreaker Crew. Dies ist eine spezielle Combo, die f�r die Sicherheit der Antifa-Konzerte sorgt. Sicherheit wird gro� geschrieben. Allzuoft sind die Konzerte schon von Nazis angegriffen worden. Die BBC checken die Umgebung der klandestin abgehaltenen Konzerte ab. Und greifen die auftauchenden Nazis an. Die Bonebreakers tun dabei ihrem Namen alle Ehre und sind gef�rchtet. Das Territorium des Konzerts wird erst mal mit Makern signiert, damit jeder wei�, wer hier seine Kurven zieht. Die Mitte 20zig J�hrigen sind alles trainierte Kampfsportler und wie die Jungs in St. Petersburg organisieren sie zum Spa� und Training szeneinterne Freefight - Veranstaltungen f�r die Genossen und Genossinnen. Wir m�ssen in die Suburbs. Morgen geht der Flug. Von dem kleinen Bruder unseres Gastgebers bekommen wir noch jede Menge MP3 an russischer Musik. Unserem Fan j�discher Klezmer-Musik steigt Pipi in die Augen, als er original russiche Klezmer Musik bekommt. Spaziva � Danke. -------------------------------------------- Der gleiche Artikel mit wesendlich mehr Fotos: http://linksunten.indymedia.org -------------------------------------------- Interview mit Katya:
http://linksunten.indymedia.org/de/node/12199 Interview mit Irina Kacharava:
http://linksunten.indymedia.org/de/node/12338 -------------------------------------------- Trauer- und Erinnerungsveranstaltung:
http://www.antifa.ru/2113.html 10.10.2009 Antifa Kiew � Erinnerungsdemo:
http://www.antifa.ru/3159.html 10.2009 Erinnerung an Feodor:
http://www.antifa.ru/3169.html -------------------------------------------- 10.10.2009 Russischer Antifa- Freefight:
http://www.antifa.ru/3136.html
http://www.antifa.ru/3213.html Spanischer Antifa Freefight:
http://www.antifa.ru/3142.html Moskau: Antifaschist Olesinow verurteilt
http://de.indymedia.org/2009/04/247966.shtml Schwarzes Petrograd:
http://de.indymedia.org/2009/10/262785.shtml
http://projekte.free.de/schwarze-katze/texte/a77.html Allgemeine Links zu Russland: Russland - http://de.wikipedia.org/wiki/Russland Moskau - http://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Kreml - http://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_Kreml Roter Platz: http://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Platz Alexandergarten: http://de.wikipedia.org/wiki/Alexandergarten St. Petersburg - http://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Petersburg Antifa-Dokumentation �Antifascist Attitude�
http://www.youtube.com/watch?v=ZNDHe1NLcc4
http://www.youtube.com/watch?v=F5Pw6o0soKg&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=2ASoJWuog-A&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=mtw6wEXTwHk&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=BSmLilWDcbw&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=8xdD5jeNOnQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=e3JsSb6QKGQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=GygXwb4UCjM&feature=related Links nach Russland und Ex-UDSSR Autonom: http://avtonom.org/index.ph Antifa Russland: http://www.antifa.ru Autonome Antifas aus Russland: http://autonomafa.blogspot.com RASH Russland: http://redskins.ru Antifa Sebirien: http://o-s-a.anho.org Antifa Kiew: http://actionxhcx.forum24.ru Streetmob: http://streetmob.org 375 � Crew: http://375crew.org Red-Ar: http://redar.ru Solidarit�tsseiten zu Russland
http://russlandsoli.blogsport.de
http://www.solianka.org
http://russland-soli.org
http://ajb.blogsport.de/2009/02/08/solidaritaetsdemonstration-in-duesseldorf
http://ajb.blogsport.de/2009/06/28/soli-aktion-fuer-russische-antifas/#more-145 Proyecto Memoria Interviews: Proyecto Memoria - Der faschistische Mord an Renato Biagetti / Rom
http://linksunten.indymedia.org/de/node/6511 Proyecto Memoria - Der faschistische Mord an Carlos Palomino / Madrid
http://linksunten.indymedia.org/de/node/6622 Proyecto Memoria - Der faschistische Mord an Davide Cesare / Mailand
http://linksunten.indymedia.org/de/node/6647 Proyecto Memoria - Der faschistische Mord an Feodor Filatov / Moskau
https://linksunten.indymedia.org/de/node/12199 Proyecto Memoria - Der faschistische Mord an Timur Kacharava / St. Petersburg
http://linksunten.indymedia.org/de/node/12338 Interview mit dem Ex-GAP-isten Enzo Galasi
http://linksunten.indymedia.org/de/node/7354 Antifaschistisches Graffiti in Bochum:
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/azzoncao/grafitti.html
http://de.indymedia.org/2008/12/236148.shtml
http://de.indymedia.org/2008/12/236171.shtml Film �uno di noi � einer von uns� zum Antifa-Graffiti in Bochum:
http://unodinoi.blogsport.de |
Read more about: anti-fascisme / racisme europa | supplements | Duits? | Aap - 13.10.2009 20:18
Dit is indymedia.NL | taal | nn - 13.10.2009 21:01
Er is bij Indymedia.nl ook de mogelijkheid Duitse artikelen te posten, net als Engelse. Kijk maar bij de optie 'taal'. Natuurlijk zou het beter zijn als het in het Nederlands of Engels zou zijn zodat meer mensen het zouden begrijpen. Maarja, niet iedereen spreekt beide talen vloeiend. | |
supplements | |